Bis zu 50-mal mehr Jungfische an renaturierten Ufern

2020 gab SH POWER eine Studie zur Wirkung ihrer Uferrenaturierungen in Auftrag. Der Schlussbericht liegt mittlerweile vor. Die Ergebnisse zeigen den Nutzen der Projekte deutlich auf. 

Seit dem Jahr 2005 renaturiert SH POWER mit Geldern aus ihrem Ökofonds die Rheinufer im Konzessionsgebiet des Kraftwerks Schaffhausen. Runde 10 Millionen Franken wurden bereits in Renaturierungen und weitere ökologische Aufwertungen investiert. «Bisher haben wir rund sieben Kilometer harte Verbauungen abgebrochen und die Ufer wieder in einen natürlichen Zustand überführt», sagt Projektleiter Peter Hunziker. Im Jahr 2020 gab SH POWER eine Studie zur Wirkung der Renaturierungen in Auftrag. Durchgeführt wurde diese von der Aquatica GmbH, einer auf Gewässerökologie spezialisierten Firma. Untersucht wurde insbesondere der Nutzen für Jungfische und Äschenlarven. Der Schlussbericht liegt mittlerweile vor. 

Dichte an Jungfischen bis um das 50fache höher 

 «Die Studienautoren haben die Bestände von Äschenlarven und Jungfischen entlang renaturierter Uferabschnitte mit jenen entlang verbauter Uferabschnitte verglichen», erläutert Benjamin Homberger, Obmann des Begleitgremiums des Ökofonds. Das Resultat dieses Vergleichs: Die Dichte an Jungfischen entlang renaturierter Uferabschnitte ist bis um das 50fache höher als entlang verbauter Uferabschnitte. Auch die Larven der stark gefährdeten Äsche kommen in renaturierten Bereichen in grösserer Zahl vor.  

Besonders attraktiv für Jungfische und Äschenlarven sind renaturierte Uferabschnitte mit Kiesbänken, Buchten, Buhnen, Baumstämmen und Wurzelstöcken. Benjamin Homberger erklärt warum: «Durch die Uferstruktur wird die Strömung verlangsamt. Jungfische können so dagegen anschwimmen und sich das Futter vom Wasser ins Maul spülen lassen.» Anders sieht es entlang verbauter Uferabschnitte aus: Dort gibt es keine strömungsberuhigten Zonen. Die Jungfische und Äschenlarven werden einfach rheinabwärts geschwemmt. Entsprechend tief ist ihr Bestand in diesen Bereichen. Die Studienergebnisse zeigen auch: Es gibt keinen Unterschied zwischen neu renaturierten Ufern und solchen, die schon seit jeher naturbelassen sind. Auch frisch renaturierte Abschnitte werden von den Jungfischen sofort besiedelt.  

«70 Prozent der in der Schweiz heimischen Fischarten sind gemäss Roter Liste gefährdet. Umso wichtiger sind Massnahmen, die ihnen zugutekommen.» 

Benjamin Homberger, Obmann Begleitgruppe Ökofonds 

Benjamin Homberger bewertet die Studienergebnisse als sehr erfreulich: «Sie zeigen den Nutzen unserer Renaturierungen deutlich auf. 70 Prozent der in der Schweiz heimischen Fischarten sind gemäss Roter Liste gefährdet. Umso wichtiger sind Massnahmen, die ihnen zugutekommen.» Weiter zeige die Studie auf, was bei künftigen Projekten noch verbessert werden könne. Als Beispiel nennt er die Schaffung von noch mehr Uferstrukturen. 

Rheinufer werden jedes Jahr natürlicher 

Lange Zeit seien Fachleute der Ansicht gewesen, dass man die Natur mit harten Verbauungen vor Hochwasser schützen müsse, erklärt Peter Hunziker. Entsprechend waren die Ufer vieler Schweizer Gewässer regelrecht zugemauert worden. Im Konzessionsgebiet des Kraftwerks, das von Gailingen bis Flurlingen reicht, waren nur noch rund 5 Prozent der Ufer in einem natürlich Zustand. Mit den Geldern aus dem Ökofonds wurden bisher rund 25 Prozent der Uferstrecke renaturiert. Nicht alle Ufermauern im Konzessionsgebiet des Kraftwerks können jedoch abgebrochen werden. In den Ortskernen von Diessenhofen und Büsingen oder auch an der Rheinuferstrasse in Schaffhausen sind Renaturierungen beispielsweise unmöglich, da der Platz dafür fehlt. 

Potenzial für Renaturierungen ist jedoch weiterhin vorhanden – sowohl an Uferabschnitten der öffentlichen Hand wie auch an Uferabschnitten in Privatbesitz. Bei vielen privaten Grundeigentümern habe in den letzten Jahren ein Umdenken stattgefunden, stellt Peter Hunziker fest: «Als wir mit den Renaturierungen begonnen haben, mussten wir viel Überzeugungsarbeit leisten. Heute sind viele aufgeschlossen gegenüber dem Thema. Teilweise kommen sie sogar auf uns zu, noch bevor wir sie angefragt haben.» Peter Hunziker und sein Team brechen also auch in Zukunft weitere Mauern ab und schaffen an den Rheinufern Jahr für Jahr neue natürliche Lebensräume.  

Ökofonds 

Mit dem Ökofonds finanziert SH POWER Uferrenaturierungen und andere ökologische Aufwertungen im Konzessionsgebiet des Kraftwerks Schaffhausen. Das Geld stammt aus dem Verkauf von Ökostrom, der im Kraftwerk Schaffhausen produziert wird: Pro verkaufte Kilowattstunde fliesst 1 Rappen in den Ökofonds. Ab dem Jahr 2022 fliessen noch 0.7 Rappen pro verkaufte Kilowattstunde Ökostrom aus dem Kraftwerk in den Ökofonds. Dafür fliesst neu auch derselbe Betrag für verkauften Ökostrom aus anderen Energiequellen, wie Sonne oder Biomasse, in den Ökofonds. Grund für diese Änderung sind veränderte Vorgaben des Ökostrom-Labels «naturemade star».