«Eine viel bessere Quellnutzung»

Kurz vor Jahresende konnte SH POWER im Ortsteil Hemmental das neuste Reservoir in ihrer Wasserversorgung in Betrieb nehmen. Wir waren mit Anlagenchef Giovanni Cataldo dort und haben ihm einige Fragen dazugestellt.  

Ein Reservoir baut man nicht alle Tage. Braucht es dafür Spezialfirmen?

Giovanni Cataldo: Wie bei anderen Projekten wurde der Auftrag ausgeschrieben. Baufirmen, die sich um den Auftrag bewerben, müssen Referenzen in diesem Bereich vorweisen können, um in die engere Auswahl zu gelangen. 

Was für Vorschriften gibt es für den Bau eines Reservoirs?

In Reservoirs, wie in der gesamten Wasserversorgung, dürfen nur Teile verbaut werden, die trinkwasserkonform sind und als solche zugelassen sind. Wenn das Reservoir dann fertig gebaut ist, wird es von einer Spezialfirma gereinigt und anschliessend mit Wasser gefüllt. Das interkantonale Labor untersucht dann die Wasserqualität. Ist diese einwandfrei, darf die Anlage in Betrieb genommen werden.   

Wie läuft eine Inbetriebnahme ab?

Nach der Beprobung wird das Reservoir noch einmal geleert und mit frischem Wasser aufgefüllt. Danach wird der Schieber ins Versorgungsnetz geöffnet und gleichzeitig das alte Reservoir vom Netz getrennt für einen unterbruchsfreien Betrieb. Um die Versorgung stets gewährleisten zu können, ist also absolute Präzision gefragt. Dafür arbeiten die Teams der Abteilungen Netz und Anlagen eng zusammen.  

Das neue Reservoir hat zwei Kammern. Gibt es einen Unterschied zwischen der Kammer für das Trinkwasser derjenigen für das Löschwasser?

Bei neuen Reservoirs gibt es diese Unterscheidung nicht mehr. Die Steuerung der Anlage überwacht, dass die festgelegte Löschwasserreserve im Reservoir nie unterschritten wird. Die Unterteilung in zwei Kammern besteht dafür, dass das Reservoir bei Reinigungsarbeiten in Betrieb bleiben kann. Beim alten Reservoir hatten wir aber noch eine Kammer für das Trinkwasser und eine für das Löschwasser.  

Im neuen Reservoir kann fast doppelt so viel Wasser gespeichert werden, wie im alten. Hat Hemmental mehr Quellwasser als früher?

Nein, aber die Wassermenge von Quellen ist nicht konstant. Je nach Witterung liefern sie uns sehr viel Wasser in kurzer Zeit und bisher floss in solchen Zeiten ein grosser Teil des Quellwassers ungenutzt weg. Im neuen Reservoir können wir viel mehr davon speichern und haben eine viel bessere Quellnutzung als bisher. Im neuen Reservoir können wir 600 Kubikmeter Wasser speichern, im bisherigen hatten wir eine Speicherkapazität von 350 Kubikmetern.  

Worin liegt der Nutzen, mehr Quellwasser speichern zu können?

Das überschüssige Wasser leiten wir vom Reservoir «Alte Rüti» ins Reservoir «Säckelamtshüsli», oberhalb der Breite. Wir müssen dann weniger Grundwasser ins «Säckelamtshüsli» pumpen. Im Gegensatz zum Quellwasser ist das Grundwasser nämlich konstant vorhanden. Dazu können wir mit dem überschüssigen Quellwasser aus Hemmental Strom zukünftig produzieren, da es beim Einspeisen ins «Säckelamtshüsli» turbiniert wird. Die Anlage wird im Moment entsprechend aufgerüstet.  

Was passiert mit dem alten Reservoir?

Das alte Gebäude wird zurückgebaut. Die historische Fassade mit der Wasserstandsanzeige wird restauriert, damit danach der Wasserstand des neuen Reservoirs angezeigt werden kann.